Soll ich wirklich die Krippe aufstellen?

1. Ich stehe vor dem Schrank und sehe verschiedene Kartons. Ich öffne die eine Kiste und sehe die Figuren aneinander geschlichtet: Das Kind. Maria. Josef. Einige Schafe. Ganz versteckt ein Hirte und eine Hirtin. Wie sie da so schön friedlich in der Kiste liegen. Eigentlich habe ich wenig Lust, Weihnachten zu feiern. Soll ich wirklich die Weihnachtskrippe aufstellen?
Liebe Schwestern und Brüder,
2. Soll ich wirklich die Weihnachtskrippe aufstellen? Wie viele Menschen verbringen Weihnachten das erste Mal ohne ihren Ehepartner? Sie vermissen ihn schmerzlich und trauern. Wie viele Menschen erinnern sich an das Weihnachtsfest, wie es früher einmal war – verbunden mit Staunen und Verwunderung. Sie spüren, das Fest hat seinen Bezug zum Leben längst verloren. Wie viele Menschen fühlen sich leer und ausgebrannt, abgehetzt und abgehängt. Sie fühlen sich als Verlierer und Opfer der Zeit und unserer Gesellschaft. (Stille)
3. Eine Pilgerreise nach Assisi und in besonderer Weise ein Ausflug nach Greccio, dem Ursprung der Weihnachtskrippe, beschäftigen mich bis heute – auch auf dem Hintergrund verschiedener Lebenssituationen, die mich in dieser Zeit in Beschlag genommen haben.
4. Es ist das Jahr 1223: In Italien herrscht Unfriede und Streit. Die Liebe zu Jesus und der Glaube an ihn ist in vielen Menschen erloschen. Franziskus möchte die Geburt Jesu naturgetreu und lebendig in einer Felsengrotte bei Greccio nachspielen. Er bittet daher einen Einheimischen namens Johannes zur Verwirklichung seines Wunsches: „Geh eilends hin und richte sorgfältig her, was ich dir sage. Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Betlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in der Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen.“
5. Am 25. Dezember kommen viele Leute mit ihren Kerzen und Fackeln und lassen sich von diesem Geschehen anrühren und beglücken, ja sie werden mit neuer Freude erfüllt. Was geschieht dort an Weihnachten?
6. Das Weihnachtsevangelium vom herunter gekommenen Gott, der sich ganz klein macht, um gerade den kleinen Leuten seine Nähe zu zeigen, wird verkündet – nicht mit gelehrten Worten, sondern in aller Schlichtheit und Anschaulichkeit.
7. Bei dieser lebendigen Weihnachtskrippe von Greccio sind keine Figuren im Einsatz, sondern die Anwesenden selbst stellen die Krippenszene dar und erleben sie. Im Sehen und Staunen berührt der Menschgewordene die Herzen.
8. Franziskus singt das Weihnachtsevangelium. Aber noch etwas Außergewöhnliches passiert: Mitten in der lebendigen Krippe feiert ein Priester die Eucharistie, quasi die Christmette. D. h. in der Feier wird den Gläubigen vor Augen gestellt: Gott ist immer kleiner, in der Ohnmacht immer noch mächtig, im Tod immer noch lebendig, im Kleinen groß, im Kind der unbegreifliche Gott.
9. Kommen wir zurück zur Weihnachtskrippe im Karton. Gerade in das Durcheinander unseres Lebens, dort, wo es drunter und drüber geht, schlägt Gott sein Zelt auf, nimmt ER Wohnung; ist ER gegenwärtig; ist ER da –nährt ER meinen Glauben, inmitten meiner Armut, in meiner Zerrissenheit, in meiner Traurigkeit, in meiner Leere. Er sagt: „Du Welt, du Mensch, ich liebe dich. Es ist Weihnacht. In deiner Nacht leuchtet ein Licht, das dein Leben wieder hell und heil macht.“
10. Es ist nicht wichtig, wie man die Krippe aufstellt - immer gleich oder jedes Jahr anders und ob - was zählt, ist, dass sie zu unserem Leben spricht. (nach Papst Franziskus). Ich sehe noch einmal genauer hin: Jesus, einfach und schlicht, nackt und bloss, mit großen Augen und offenen Händen und einem weiten Herzen, so will Gott – in seiner alles erschaffenden und verwandelnden Kraft - in dieser Welt, in dieser Zeit, für mich ganz persönlich Mensch werden –in der Krippe meines Herzens.
11. Ich wünsche uns das von Herzen, wenn wir nachher unsere Hände zu einer Schale legen, für ihn eine Krippe bereiten, in die er sich und seine Liebe im Zeichen des Brotes hineinlegen kann: „Zu Ehren kommt da die Einfalt, die Armut wird erhöht, die Demut gepriesen, und aus HOF wird gleichsam ein neues Betlehem.“
Amen.
FÜRBITTEN
Die Krippe ist ein lebendiges Evangelium, das aus den Seiten der Heiligen Schrift hervortritt. Wir entdecken, dass Gott uns so sehr liebt, dass er sich mit uns vereint, damit auch wir uns mit ihm vereinen können. Darum bitten wir:
1. Herr, lass die Krippe ein Zeichen sein, für alle die allein und einsam sind.
2. Herr, lass die Krippe ein Zeichen sein, für alle die die arm sind und hungern müssen.
3. Herr, lass die Krippe ein Zeichen sein, für alle die sich streiten und sich nicht vertragen wollen.
4. Herr, lass die Krippe ein Zeichen sein, für alle die krank sind und Schmerzen haben.
5. Herr, lass die Krippe ein Zeichen sein, für alle Menschen in der Welt, die auf der Suche nach dir sind.
6. Herr, lass die Krippe ein Zeichen sein, für alle an die wir jetzt besonders denken.
Herr, unser Gott, deine Güte ist größer als unser Herz. Wir danken Dir für alles, was Du schenkst an Freude, Zufriedenheit, Gemeinschaft und Hoffnung. Dir sei die Ehre und der Lobpreis heute und alle Tage unseres Lebens bis in deine Ewigkeit.