Sr. Irmingard Gerhart - Ihr Leben
Nachruf von Kloster Oberzell
Schwester Irmingard wurde am 26. September 1931 in Mömbris-Strötzbach, Lkr. Aschaffenburg geboren. Als älteste von 7 Geschwistern wuchs sie in einer religiösen Familie auf. Nach der Schulentlassung war sie im Pfarrhaushalt Mömbris tätig. Danach arbeitete sie von 1947 bis 1952 bei der Firma Franz und Co., Damen-Oberbekleidung. Durch die Niederlassung unserer Schwestern in Mömbris und Verwandte, die bereits in unserer Gemeinschaft lebten, fand auch sie den Weg nach Oberzeh.
So trat sie im Jahr 1952 mit 21 Jahren bei uns ein. Als Kandidatin besuchte sie von 1953 bis 1954 die kaufmännische Fachschule in Würzburg. Anschließend durchlief sie die Ausbildung zur Seelsorgehelferin in Freiburg. Nachdem Schw. Irmingard ihre berufliche Ausbildung abgeschlossen hatte, folgte die Ausbildung im klösterlichen Bereich. 1956 wurde sie in das damals einjährige Noviziat aufgenommen, legte 1957 die Erstprofeß und 1960 die Profeß auf Lebenszeit ab.
Nach der Erstprofeß kam Schw. Irmingard als Seelsorgehelferin in die Diaspora-Pfarrei nach Hof, St. Konrad. Dort musste die Pfarrei zusammen mit dem Konvent der Jesuiten erst aufgebaut werden, da sich dort nach dem 2. Weltkrieg viele Heimatvertriebene und Flüchtlinge niedergelassen hatten. Hier war Sr. Irmingard am richtigen Platz. Sie war viel im Pfarrgebiet unterwegs, um die Leute kennenzulernen. Von Anfang an sorgte sie sich besonders um bedürftige und kinderreiche Familien der Heimatvertriebenen in den Barackenlagern. Ein weiterer Schwerpunkt ihres Wirkens war der Religionsunterricht und die Jugendarbeit.
1967 gründete Schw. Irmingard den Seniorenclub. Bis zuletzt leitete sie drei Seniorenkreise. Mit der evangelischen Kirchengemeinde hat sich eine kleine Ökumene in der Arbeit mit älteren Menschen entwickelt. Bei allen Feiern in der Pfarrei war sie die treibende Kraft.
Mit einer Unterbrechung von vier Jahren - 1968 bis 1972 - wo sie in Würzburg-Heidingsfeld in der Pfarrei „Hl. Familie" wirkte, war sie ihr ganzes Ordensleben in Hof tätig, insgesamt 45 Jahre. Aufgrund ihres vielfältigen sozialen und pastoralen Engagements wurde ihr 1998 die Bayerische Staatsmedaille von Frau Sozialministerin Barbara Stamm überreicht.
Schw. Irmingard war in ihrem apostolischen Einsatz unermüdlich. Der Glaube an den menschgewordenen Gott war ihre Kraftquelle. Sie lebte das Wort Jesu: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan."
Ein Grundzug von Schw. Irmingard war ihre aufgeschlossene, zuversichtliche und optimistische Lebenseinstellung. Durch ihre freundliche Art konnte sie die Menschen begeistern und gewinnen.
Als sie mit den Angehörigen in der Gemeinde St. Konrad am 30. September ihren 75. Geburtstag feierte, war es ihr Wunsch, statt Geschenke Spenden für unsere Missionsstation in Mbongolwane zu sammeln. So brachte sie diese auf dem Weg zu ihren Angehörigen persönlich am Franziskustag in Oberzell vorbei.
Am Fest des hl. Franziskus, an dem wir den Sonnengesang singen, wurde die letzte Strophe für Sr. Irmingard zur Wirklichkeit.