Tag der Frauenpredigt


Himmelreich (Sieglinde Palitza)
Sehr geehrte Gottesdienstbesucherinnen und Besucher, heute ist ein besonderer Tag: Der Diözesanrat Bamberg und Weihbischof Herwig Gössel haben eine Tag der Frauenpredigt ausgerufen; den Priestern der Diözese Bamberg ist es freigestellt, heute Frauen predigen zu lassen. So soll ein erstes Zeichen aus den Ergebnissen des synodalen Weges gesetzt werden. Unser Pfarrer Stefan Fleischmann hat sich gemeinsam mit uns 5 Frauen des Frauenbundes getroffen und Gedanken zum heutigen Evangelium erarbeitet . Die Texte stammen von der jeweils vortragenden Frau.
Mit den Gleichnissen des gerade gehörten Evangeliums erklärt uns Jesus, was es mit dem Himmelreich auf sich hat. Was verbinden wir heute mit diesem Begriff?
Schlesisches Himmelreich: ein Fleischgericht aus der Schlesischen Küche?
Einen der weit über 50 Orte in Deutschland und Österreich?
Etwas Schönes? Etwas Besonderes? Gute Gefühle?
Unendlichkeit? Gottes Macht? Ewigkeit? Tod?
Blau? Oben?
Gegensatz zu Hölle? Ziel christlichen Lebens?
Da will ich hin?
Das Reich Gottes ist wohl die zutreffendste Beschreibung , was bedeutet es für unser Leben, unseren Alltag ,in welchen Beispielen ist es sichtbar?
Weizen und Unkraut (Silvia Melzner)
Jesus vergleicht das Reich Gottes auf dieser Welt mit einem Getreidefeld, auf dem der Gutsherr guten Samen aussät. Das Saatgut beginnt zu wachsen. Aber auch das Unkraut geht auf und wächst heran, zusammen mit dem Weizen. Die Feldarbeiter wundern sich und fragen ihren Arbeitgeber, ob sie das Unkraut ausreißen sollen. Daraufhin antwortet der Gutsbesitzer: Nein! Wenn ihr es ausreißt, könntet ihr zugleich den Weizen mit ausreißen. Lasst beides wachsen bis zur Ernte! Wenn es so weit ist, will ich den Erntearbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut ein und bündelt es, damit es verbrannt wird. Aber den Weizen schafft in meine Scheune.
Dass es wächst und am Ende eine gute Ernte dabei herauskommt, ist nicht selbstverständlich. Ungeziefer, Unkraut, Wassermangel oder andere negative Umwelteinflüsse können die Ernte bedrohen. Wer naturverbunden lebt, hat damit wohl schon seine Erfahrungen gemacht.
Als Jesus auf dieser Erde war, lebten die meisten Menschen von den Erträgen der Natur. Deshalb nutzt Jesus viele Beispiele aus der Landwirtschaft und erklärt anhand von einen einleuchtenden Vergleichen Gottes Sichtweise in Bezug auf diese Welt.
Der Gutsherr steht in dem Vergleich für Jesus. Der Feind ist sein Gegenspieler. Der Weizen steht für die Nachfolger Jesu und das Unkraut, für die, die von Jesus nichts wissen wollen.
Durch das Gleichnis gewinne ich drei wichtige Einsichten:
1. Umsicht: Nicht immer erkenne ich, was Weizen und was Unkraut ist. Im Anfang kann man es nicht sicher entscheiden. Ich sollte mich vor schnellen Urteilen und Vorurteilen hüten.
2. Vorsicht: Nicht alles Grünzeug auf dem Acker ist gute Frucht. Manchmal wächst das Unkraut höher als die eigentliche Frucht. Manche Pflanzen sehen prächtig aus. Sie haben bunte Blüten, sind robust und stark, bringt aber keine Frucht. Das heißt: Ich muss genau hinschauen. Nicht alles, was auf den ersten Blick groß und prächtig aussieht, bringt auch gute Frucht.
3. Weitsicht: Gott lässt beides wachsen – das Gute und das Schlechte. Und er kümmert sich am Ende um die Ernte. Er schaut hinter die Fassade und kann das Gute vom Schlechten unterscheiden. Beides wächst dicht an dicht. Es ist nicht meine Aufgabe, Richter über andere zu sein. Das kann ich Gottes Gnade und Weitsicht überlassen.
In dem Sinne kann ich durch Umsicht, Vorsicht und Weitsicht einen Beitrag leisten, dass ich es wachsen lassen kann. Danke, Herr, für diese Einsicht.
Das zweite Gleichnis Jesu vom Senfkorn ist sehr hoffnungsvoll und positiv.
Samenkorn (Elvira Netscher)
Aus dem kleinsten Samenkorn, das der Mensch sät, wächst ein Baum der größer ist als alle anderen Gewächse. Der Baum bietet den Vögeln des Himmels in seinen Zweigen Nistplätze und Schutz. Die Vögel des Himmels stehen für alle Gläubigen auf dieser Welt, die Schutz bei Gott suchen. Genauso wie das kleine Senfkorn erst wachsen muss, um eine mächtige Pflanze zu werden, ist es mit dem Himmelreich Gottes. Es ist keine bestimmte Größe, es wächst und wird immer größer mit uns und in uns. Die jetzige katholische Kirche ist ebenfalls aus einer kleinen Schar von Aposteln und Apostelinnen weltweit so groß geworden.
Jesus ermutigt Christinnen und Christen in der heutigen Zeit, im Alltag über sich hinaus zu wachsen, auf die vergangenen schlimmen Ereignissen nicht mit Kirchenaustritten zu antworten und sich nicht von negativen Meinungen über die Kirche beirren lassen. Mit noch so kleinen guten positiven Taten in unserem Leben Vorbild für andere zu sein. Vor allem wir Frauen müssen und sollten tagtäglich über uns hinaus wachsen um wahrgenommen zu werden, damit nicht mehr Zweige dieses mächtigen Baumes brechen, sondern er weiter wächst. Das Senfkorn, dass von uns Frauen bereits gesät wurde „spitzt“ schon aus der Erde heraus und wird mit Gottes Hilfe irgendwann in der nächsten Zeit auch zum großen Gewächs.
Gedanken zum Sauerteig (Petra Schrupp)
In der Bibel dient der Sauerteig meist als Sinnbild für Sünde. Würde Jesus heutzutage den Sauerteig als Sinnbild für das Wachstum von etwas Schlechtem sehen? Ich sage: Nein…..:
Mit dem Himmelreich – so sagte ER im gehörten Gleichnis – ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau unter einen großen Trog Mehl mischte, bis das Ganze durchsäuert war.“ Vom Reich Gottes ist da die Rede, das Jesus verkündet hat und das sich seitdem in unserer Welt ausbreitet, oftmals kaum sichtbar, aber unaufhaltsam und mit großem Erfolg.
Sauerteig hat ungeheure Kraft: Sobald er mit Brotteig in Berührung kommt, durchsäuert er binnen kurzer Zeit die ganze Teigmasse. Man brauchte ihn zum Brotbacken. Jede Frau hatte in früherer Zeit ein Schälchen Sauerteig im Haus.
Der „Sauerteig der Christen“ kann folglich eine ganze Gesellschaft zum Positiven umwandeln. So legt es jedenfalls der Vergleich mit dem Sauerteig nahe, von dem nur wenig reicht, um eine Menge an Mehl zu durchdringen und zu verändern.
Das Gleichnis ist auch weitgehend bedeutungsgleich mit dem vom Senfkorn. In beiden Fällen soll ausgedrückt werden, dass das Reich Gottes sehr klein und unauffällig beginnt, aber dort, wo das Evangelium verkündigt und angenommen wird, Großes entsteht und sich vermehrt. Wenn das Senfkorn nicht genommen und ausgesät wird, und wenn der Sauerteig nicht von der Frau genommen und gemischt wird, dann bleiben sie einfach dort und jene innere Kraft, die sie haben, verkümmert.
In diesem Sinne werden Frauen und Männer gleichberechtigt aufgefordert, andere mit Jesus in Berührung zu bringen, in unserer Gesellschaft einen Beitrag zu leisten, in überzeugender und vorbildlicher Weise den christlichen Glauben vorzuleben, weiterzugeben und gleich einem Sauerteig zu vermehren……..
Schluss (Anita Wied-Thiersch)
Wir haben gehört, dass Jesus zu den Menschen, die ihm folgten, nur in Gleichnissen geredet hat, damit sich das Wort des Propheten erfüllt: „Ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.“
Was bedeutet „Himmelreich“? Wie verstehen wir die Gleichnisse heute?
Welche Haltung nehmen wir dazu ein? Ich stelle mir den Himmel, das Himmelreich nicht so vor, wie in der lustigen Geschichte vom Brandner Kaspar.
Himmel ist auch nicht ein Ort, dessen Koordinaten man in sein Navi eingeben könnte. Ich sehe das Himmelreich als die spürbare Anwesenheit Gottes in unserer Welt, als die Stätte des Heiles, der Gerechtigkeit. Dieser ideale Zustand ist aber noch nicht verwirklicht, er muss sich noch entwickeln. Wir müssen dazu beitragen.
Nicht vorschnell urteilen und unüberlegt handeln, sondern beobachten, die Kenntnisse vertiefen, Neues lernen und auf unsere Zeit anwenden. Nicht gleich die Schuld bei anderen suchen, niemanden als „Unkraut“ ausschließen, sondern abwarten und seinen Wert und Nutzen erkennen.
Gleichermaßen dürfen wir nichts und niemanden als gering oder unbedeutend ansehen. Aus kleinen Dingen kann Großes entstehen.
Das dritte Gleichnis gefällt mir als Frau besonders. Es zeigt, dass für Gott Mann und Frau gleich wert sind, so wie es in der Schöpfungsgeschichte heißt: Er schuf den Menschen, als Mann und Frau schuf er ihn. Der Anteil, den die Frau als „Teigkneterin“ (ae: hlafdige, was sich zu Lady entwickelt) beiträgt, ist enorm wichtig. (Der Titel „Lady“ hat sich aus dem Altenglischen ‚hlafdige‘ die Teigkneterin entwickelt. Wir Frauen können also alle diesen Ehrentitel Lady tragen.)
Jede/ jeder von uns kann ihren / seinen Beitrag zum Himmelreich leisten





