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Verklärung Jesu

Tabor Verklärung
Datum:
Veröffentlicht: 4.3.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann

Jesus nimmt einen „Exklusivclub“ auf eine besondere Wanderung. Er möchte ihnen eine besondere Erfahrung ermöglichen. Die drei,  Petrus, Jakobus und Johannes,  werden uns wieder am Ölberg begegnen- nämlich in der letzten Angst Jesu. Beide Bergerfahrungen Verklärung und Ölberg gehören zusammen. Gehen wir mit den Jüngern diesen Weg.

Wieder spielt ein Berg eine Rolle der Nähe Gottes. Wir müssen die verschiedenen Berge des Lebens Jesu zusammendenken: den Berg der Versuchung, den Berg seiner großen Verkündigung, den Berg des Gebetes, den Berg der Angst, den Berg des Kreuzes und schließlich den Berg des Auferstandenen. Es sind Berge der Passion und der Offenbarung.

Um was geht es da oben auf dem Berg der Verklärung, wir sagen auch Berg Tabor dazu? Um was geht es? Die Jünger erhalten einen Blick der besonderen Art, der Gegenwart und Zukunft gleichermaßen umfasst. Stellen Sie sich vor: Sie können in die Zukunft schauen, und sie werden mit ihrer eigenen Zukunft konfrontiert – ganz persönlich, aber auch mit der Zukunft unserer Welt im gesellschaftspolitischen Kontext? Welche Ängste und Hoffnungen spüren sie? So müssen sich die Jünger gefühlt haben! (kurze Stille)

„Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiss wie das Licht.“ Es ist kein Angestrahltwerden, sondern ein Licht von Innen her. In seinem Einssein mit dem Vater ist Jesus selbst „Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott“ – so heisst es im großen Glaubensbekenntnis. Das weisse Lichtgewand redet aber auch von der Zukunft,  und er erscheint ihnen in seiner Auferstehungsgestalt. In der Apokalyptik sind die weißen Gewänder Ausdruck des himmlischen Wesens, die Gewänder der Engel und Auserwählten. So spricht die Apokalypse des Johannes von den weißen Gewändern, die die Geretteten tragen werden. Mose und Elija, die hier dazu stoßen, selbst Passionsfiguren und Passionszeugen, weisen auf das Muss seines Leidens als Weg zur Herrlichkeit hin; aber am Ende steht Rettung, Licht, Freiheit, Freude.

Nun, versetzten wir uns erneut in die Lage der Jünger, die ja dieses Geschehen noch gar nicht deuten und einordnen können. Was sie dort erleben ist schön und schrecklich zugleich: Die Jünger bekommen große Angst. Gottesschrecken ergreift sie. Sie erfahren die Nähe Gottes in Jesus, und empfinden ihre eigene Endlichkeit und Erbärmlichkeit. Aber, in der Verklärung klärt sich nach und nach  ihr Blick, wer Jesus wirklich  ist!  Das Evangelium ist oft ein Zeitraffer.

Aus Verlegenheit, vielleicht ist es auch Furcht und Freude zugleich, sagt Petrus: „Herr, es ist gut, dass wir hier sind, Wenn Du willst, werde ich hier drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.“ Ein Denkmal sozusagen, um den Augenblick festzuhalten. Man könnte sagen: den Augenblick des Anbruches der messianischen Zeit.

Jeder Ausflug hat mal ein Ende. Und beim Hinabsteigen spricht Jesus selbst darüber, dass der Menschensohn von den Toten auferstehen würde. Die größte Lernerfahrung steht den Jüngern noch bevor: Petrus vor allem wird neu begreifen lernen, dass die messianische Zeit zu allererst Zeit des Kreuzes ist,  und dass die Verklärung seine  Veränderung durch das Licht der Passion mit einschließt. Später wird Petrus diese Worte Jesu hören: „Da du jünger warst, gürtetest du dich selbst und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt wirst, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und führen, wohin du nicht willst.“

Nun, was wird den Jüngern auf dem Weg neu mitgegeben, und das gilt bis heute:

  • „Das ist mein geliebter Sohn. Auf ihn zu hören!“
  • Und die offene Frage: „Was das heisst, von den Toten auferstehen!“

Es erfolgt eine Auseinandersetzung. Machen wir uns bewusst,  wie lange der Weg des Glaubens ist, wenn der Evangelist Lukas in der Emmausgeschichte Jesus sagen lässt: „Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und den Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.“ Ein ganzes Leben sind wir auf unserem Glaubensweg eingeladen, in die ganze Tiefe des Geheimnisses Jesu einzudringen und eingeführt zu werden. Nutzen wir diese kostbare Zeit, uns nicht auf Nebenschauplätzen aufzuhalten.  

Amen.