Vortrag und Festgottesdienst zum 80. Todestag von Bernhard Lichtenberg

Die Pfarrei „Bernhard Lichtenberg“ hatte zum 80. Todestag ihres Pfarrpatrons zu einem Vortrag in ihren Pfarrsaal und anschließend zum Festgottesdienst in die Marienkirche eingeladen. Domkapitular Dr. Norbert Jung sprach über das Thema: „Widerstand ist nicht das richtige Wort- zur Rolle der katholischen Kirche im Nationalsozialismus an ausgewählten, regionalen Beispielen“
Am 5. November gedenkt die katholische Kirche des Seligen Bernhard Lichtenberg. Durch seinen Tod in Hof fühlen sich diesem mutigen Zeitzeugen die Hofer Gemeinden ganz besonders verbunden. 2013 ehrte die Stadt Hof Bernhard Lichtenberg, indem der Platz vor der Marienkirche der Hofer Altstadt in Bernhard-Lichtenberg-Platz benannt wurde, und durch einen Beschluss der Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungen von St. Marien und St. Konrad aus dem Jahr 2015 und die Genehmigung des Erzbischofs von Bamberg und des Bayerischen Staatsministeriums bilden die beiden Hofer Seelsorgebereiche St. Marien und St. Konrad seit dem 1. Juli 2017 die Katholische Pfarrei Bernhard Lichtenberg. Am 27. Juni 2021 hat Erzbischof em. Dr. Ludwig Schick in der Marienkirche eine Reliquie von Bernhard Lichtenberg in einem Schrein am Herz-Jesu Altar eingesetzt, und seitdem kann diese von den Gläubigen verehrt werden.
Die Pfarrgemeinde "Bernhard Lichtenberg" hatte zu dem Pfarrnachmittag als Referent Domkapitular Dr. Norbert Jung aus Ansbach eingeladen, der zur Rolle der katholischen Kirche im Nationalsozialismus an ausgewählten, regionalen Beispielen sprach.
Zunächst bedankte sich Dr. Norbert Jung für die Einladung und überbrachte Grüße vom Domberg. Er sprach sich sehr lobenswert über die Pfarrei aus, in der in den letzten Jahren viel aufgebrochen sei. „Bernhard Lichtenberg“ sei eine Pfarrei mit "vorausschauendem Weitblick", die die Zeichen der Zeit erkannt habe und in die Tat umsetze, sagte der Domkapitular und zollte Dank und Anerkennung.
In seinem Vortrag gab er zunächst einen allgemeinen Überblick über das Verhältnis von Nationalsozialismus und katholischer Kirche in den zwanziger und dreißiger Jahren, bevor er speziell auf die Rolle des damaligen Papstes und früheren päpstlichen Botschafter in Deutschland Pius XII. einging. An ausgewählten Beispielen schilderte er den Kirchenkampf auf dem Gebiet des Erzbistums Bamberg, das sich von Ansbach bis Hof erstreckt. An zahlreichen Orten gab es Konflikte zwischen den katholischen Geistlichen und den Parteileuten, aber auch engagierte Laien gerieten ins Schussfeld des Regimes. In einigen Fällen waren Haftstrafen oder sogar die Todesstrafe die Folge. Er schloss mit der Mahnung von Alfred Andreas Heiß, der aus dem Frankenwald stammte und weil er sich weigerte, den Soldateneid auf Hitler zu leisten, zum Tode verurteilt worden war. In seinem Abschiedsbrief vor seiner Hinrichtung schrieb er an seine Familie: "Bleibt Christus und seiner Kirche treu!".
Eine engagierte Diskussion schloss sich an. Leitender Pfarrer Stefan Fleischmann und Pfarrvikar Holger Fiedler bedankten sich beim Referenten für die wertvolle Gestaltung des Pfarrnachmittags.
Am Abend fand ein Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche "St. Marien" statt, den der Domkapitular zusammen mit Pfarrvikar Holger Fiedler zelebrierte. Die musikalische Umrahmung an der Orgel übernahm Vladimir Plakidin, beginnend mit dem Bernhard-Lichtenberg-Lied: „Lasst und den Sel'gen Bernhard loben" von Josef Steiner.
In seiner Predigt griff Jung das Stichwort 'Fürchtet euch nicht!' aus der Lesung auf und ermutigte die Zuhörer, die Herausforderungen unserer Zeit entschlossen anzugehen. Die Märtyrer der Nazizeit seien frühzeitig wachsam gegenüber den unguten Entwicklungen in der damaligen Gesellschaft und Politik gewesen, genauso gelte es heute, wachsam zu sein, z. B. gegenüber dem Erstarken von extremen Parteien am rechten Rand des Spektrums oder dem neu aufflammenden Antisemitismus, aber auch hinsichtlich der Gefahren für die Menschenwürde in einer ungehemmten Konsumgesellschaft.
Anstelle der Fürbitten wird in der Zeit ab 5. November die Bernhard-Lichtenberg-Novene um Fürbitte und Heiligsprechung des Seligen gebetet. Mit dem Segen der Reliquie wurde der Festgottesdienst beendet. Die Pfarrgemeinde "Bernhard Lichtenberg" ist stolz auf ihren Pfarrpatron.

