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Wann reißt der Himmel auf?

Dorfkreuz
Datum:
Veröffentlicht: 26.5.22
Von:
Stefan Fleischmann

Liebe Schwestern und Brüder!

Welche Erleichterung an Christi Himmelfahrt für Viele: „Der Vatertagsausflug kann in diesem Jahr wieder in gewohnter Weise stattfinden…“, so heißt es in der Presse. Der Vatertag zu Ehren der Männer ist vielen wichtig geworden. Ob Wanderung oder gemeinsame Ausfahrt – ganz egal, oft darf der Bollerwagen oder die Schubkarre nicht fehlen, gefüllt mit einer Portion Alkohol. Am Abend ist die Wahrscheinlichkeit hoch, sich wirklich wie im Himmel zu fühlen. 

Ein ganz anderer Himmel wird uns mit der Himmelfahrt Jesu aufgetan. Der Evangelist Lukas beschreibt dieses Ereignis in der Apostelgeschichte: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben

und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.“ Der Evangelist macht damit deutlich: Der Weg Jesu endet nicht in der Verlorenheit, sondern in einem alles erfüllenden Sinn. Er endet nicht im Dunkel dieser Welt, sondern im Licht Gottes. Er endet nicht im absoluten Nichts, sondern am Herzen dessen, den Jesus seinen Vater genannt hat.

Nun, wie im Himmel werden sich die Jüngerinnen und Jünger in der Abwesenheit Jesu zunächst nicht gefühlt haben. „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Ahnungslos, ratlos, ohnmächtig, alleingelassen. Was sie tröstet und zusammenhält sind Worte, die Jesus ihnen zugesagt hat, quasi als ein Versprechen. Es tut dann einfach gut, sich daran zu erinnern: 

Ich bin bei Euch.“ 

„Ich komme wieder.“

„Ich sende euch meinen Geist.“ 

Als ich vor einigen Jahren am Himmelfahrtstag zum zweiten Gottesdienst gefahren bin, kamen mir Jugendliche auf dem Radweg entgegen. Sie waren sehr gut drauf, lachten viel, alberten herum. Nicht zu übersehen der Bollerwagen mit dem CD-Player. Ich habe mir zunächst gedacht: „Die spinnen doch!“ „Solche Dödel!“ Ich fuhr langsam an ihnen vorbei. Die Musik war unheimlich laut. Und sie war nicht zu überhören. Ich erinnere mich noch gut daran. 

Wann reißt der Himmel auf?

Auch für mich, auch für mich.

Wann reißt der Himmel auf?

Auch für mich, auch für mich.

Wann reißt der Himmel auf?

Sag mir wann, sag mir wann.

Ist nicht irgendwo da draußen bisschen Glück für mich.

Irgendwo im Tunnel endet das Licht, verspricht.

Er will so viel doch eigentlich nicht.

Nur ein kleines bisschen Glück.“

Das Lied von Silbermond fand ich damals so klasse. Es passte einfach gut. Zufall oder Vorsehung – keine Ahnung. Fragen werden gestellt – nach Glück, Zufriedenheit, Geborgenheit, und somit auch nach dem tragenden Sinn des Lebens. Wann reißt der Himmel auf –auch für mich? Drei Annäherungen. 

Der Himmel reißt auf – hier und heute, vielleicht ein kleines Stückchen, wenn ich neu eine Zusage höre, Gottes geliebtes Kind zu sein. Das Gefühl, so angenommen zu sein, wie ich bin; das Gefühl, nichts dafür leisten zu müssen; die Erfahrung, eine Basis im Leben zu haben, die mich in guten und in schlechten Tagen trägt; ein Gegenüber zu kennen, dem ich auch den Dank für all das Gute in meinem Leben zum Ausdruck bringen kann. 

Der Himmel reißt auf – hier und heute, vielleicht ein kleines Stückchen, für uns alle, wenn uns Jesus mit seiner Himmelfahrt vor Augen stellt: Unser Leben fährt einmal nicht gegen die Wand, sondern unser Leben kennt nicht nur ein Woher sondern kennt auch ein Ziel, dass wir einmal Jesus in unserem Sterben folgen werden. Gott vollendet dann, was er in der Taufe begonnen hat. Das lässt uns schon jetzt neu leben, aufleben, überleben. 

Der Himmel reißt auf, wenn wir in der Kraft des Heiligen Geistes gestärkt werden und uns senden lassen, Zeugen der frohen Botschaft zu sein. Wie geschieht das? Das geschieht, wenn wir anderen Menschen den geöffneten Himmel zeigen und ihn ein stückweit erfahrbar machen. Es ist dann schön, am Ende des Tages dankbar sagen zu können, hier und da haben sich wirklich Himmel und Erde berührt. 

Zwei Wege kreuzen sich an diesem Himmelfahrtstag: Es wäre sicherlich interessant gewesen, mit den Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Wann für sie der Himmel aufreißt? Denn Sehnsucht danach hat doch jeder.

Amen.