Zum Inhalt springen

Warum denn ausgerechnet diese Fischer?

Fischernetz
Datum:
Veröffentlicht: 22.1.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann
Im neuen Testament werden zumindest anfangs hauptsächlich Fischer berufen. Auf welche Erfahrungen konnten sie in der Nachfolge Jesu zurückgreifen, die noch heute von Bedeutung sein könnten?

Liebe Schwestern und Brüder,

ist es Ihnen auch schon einmal aufgefallen?

Im Alten Testament werden  vielfach Menschen berufen, die den Beruf des Hirten haben: Abraham, David, Mose. Gut, es war der häufigste Beruf jener Zeit. Und das war auch die Hauptbeschäftigung vieler Menschen. Und im Neuen Testament? Zumindest anfangs waren es Fischer: „Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer.“ (Mt 4,18).

Warum denn ausgerechnet diese Fischer? Auf welche Erfahrungen konnten sie in der Nachfolge Jesu zurückgreifen, die noch heute von Bedeutung sein könnten?

1.) Der Fischer fährt frühmorgens hinaus auf den See: hinaus ins Weite und in die Tiefe. Das haben sie gelernt, hierfür sind sie Fachleute, hier kennen sie sich aus. „Ich werde euch zu Menschenfischern machen“, sagt Jesus. Aufbrechen und losgehen, um die  Menschen mit Jesus und seiner Botschaft in Berührung zu bringen und sie um Glauben an ihn, Jesus Christus, zu führen. Bis heute! „Ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mt 4,19), was heisst das aber für unsere Kirche – ganz konkret: „Ein Fischer an der Atlantikküste im Nordosten Brasiliens stellt beim Schriftgespräch die Frage: »Warum berief Jesus Fischer wie Petrus zu seinen Aposteln?« Darauf antwortet ein anderer Fischer: »Wer sich zu Lande bewegt, baut Straßen aus Beton und Asphalt. Und er wird immer wieder diesen Weg benutzen. Ein Fischer aber sucht die Fische dort, wo sie sind. Deshalb sucht er jeden Tag einen neuen Weg, um die Fische ausfindig zu machen. Es kann sein, dass der Weg von gestern nicht zu den Fischen von heute führt.« Ein Hinweis, dahingehend einmal unser neues Pastoralkonzept für den Seelsorgebereich Hofer Land zu studieren, das am vergangenen Sonntag im Rahmen eines Abendlobes übergeben wurde.

2.) Der Fischer hat Tage, da fängt er einfach nichts. Da bleiben die Netze leer. Diese leeren Fischernetze werden in der Bibel nicht verschwiegen oder einfach unter den Teppich gekehrt (vgl. Lk 5,5). Da gibt es Frust und Enttäuschung. Diese Erfahrung ist uns vertraut, kennen auch wir in den unterschiedlichen Lebenskontexten und Berufen:  Einsatz und Belastung, Misserfolg und Scheitern.  Wie dieses Gewand zwei Seiten hat – eine Seite mit gefüllten Netzen und eine ohne Fische, so spielt auch das Leben.  Wer kann schon sagen, dass er im Leben immer nur auf der Sonnenseite stand?! Dass alles immer so leicht von der Hand ging, gerade wenn die Anforderungen hoch, Belastungen groß und Veränderungen weitreichend waren? Die Fischer sind  zu zweit und tun ihre Arbeit; genauer gesagt, es sind Brüderpaare , die Jesus sieht und ruft und beruft. Und später: Jesus sendet sie nicht alleine aus, sondern immer zu zweit,  damit sie sich gegenseitig stützen und stärken, ergänzen und beraten. Das bietet ihnen eine gute Grundlage,   vertrauensvoll ihren Weg der Kreuzesnachfolge zu gehen. Nur gemeinsam geht es gut, gar manches durchzutragen und auszuhalten, Freud und Leid miteinander zu teilen.

3.) Ein dritter und letzter Aspekt: „Und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus.“ (Mt 4 22). Das ist schon stark:  Seinen Vater einfach so zurücklassen. Das ist doch fast unmenschlich.  Was hier aber vor allem zum Ausdruck kommt: Die Jünger lassen los und nabeln sich ab, was ja eigentlich ab einem gewissen Alter ganz normal ist. Sie nehmen Abschied  und gehen einen neuen Weg mit Jesus, indem sie hinter ihm hergehen, um ihn immer besser kennenzulernen -  als ihren Freund, als ihren  Herrn, als ihren Meister, als ihren Retter, als ihren Heiland.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

in dieser Woche war immer wieder von einem „Kaltstart“ die Rede. Nein, die Jünger hatten keinen Kaltstart. Sicher haben sie schon viel früher von Jesus gehört und hatten Sehnsucht nach dem Mehrwert des Lebens. Und hielten Ausschau danach. Da kommt Jesus ganz recht, der sie ruft und beruft, ihre je eigenen Talente und Fähigkeiten für etwas Größeres - das Reich Gottes - einzusetzen. Und so geschieht das schon seit 2000 Jahren.  

Amen.