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Warum hast du uns das angetan?

Heilige Familie
Datum:
Veröffentlicht: 26.12.21
Von:
Stefan Fleischmann

Eine alltägliche Geschichte wird uns vor heute Augen gestellt: Maria und Josef sind mit ihrem zwölfjährigen Jesus auf einer Pilgerreise nach Jerusalem. Was werden sie wohl dort erlebt haben? Sicherlich waren es bereichernde Tage gewesen; vielleicht ebenso anstrengend. Auf dem Weg nach Hause bemerken sie: ihr Sohn ist weg. Ein Albtraum für Eltern. Sie entscheiden sich, nach Jerusalem zurückzukehren. Dort finden sie ihn ganz überraschend im Tempel.

„Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht?“

Wer hat diese Worte nicht schon einmal so ähnlich ausgesprochen (oder gehört)? Ein Vorwurf, der erst einmal im Raum steht und mit dem es umzugehen gilt. Kinder lösen sich von den Eltern und gehen eigene Wege. Sie verlassen ausgetretene Pfade und hinterlassen eigene Spuren. All dies verursacht Fragen, und manchmal sogar tiefe Traurigkeit und maßlose Enttäuschung.„Was haben wir falsch gemacht?“ „Haben wir das verdient?“ Erwartungen werden nicht erfüllt und Hoffnungen zerschlagen. An Festtagen, wie Weihnachten, schmerzen diese wunden Punkte am Meisten.

„Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ In dieser angespannten Situation antwortet Jesus ganz nüchtern. Wie können diese Worte heute verstanden werden?

Kinder gehören den Eltern nicht! Sie dürfen eigene Wege gehen können und sich ausprobieren. „Die innere Beziehung jedes Menschen zu Gott, dessen Ebenbild er ist, entzieht ihn der letzten Verfügbarkeit durch andere, auch durch die Eltern!“ (Franz-Josef Bode)

Eltern dürfen darauf vertrauen, dass ihre Kinder in Gottes Hand geborgen bleiben, auch wenn sie diese Wege nicht verstehen und nachvollziehen können. Das setzt eine Haltung des Loslassens voraus.

Eltern sind nicht für alles verantwortlich, was ihre Kinder tun und welche Wege sie einschlagen. Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und machen nicht immer alles richtig; das ist menschlich!

„Dann kehrten sie nach Hause zurück. (…) Seine Mutter bewahrte alles im Herzen.“ Was für ein schönes Bild, in der Veränderung menschlicher Beziehungen horizontal und vertikal in Kontakt zu bleiben. Das geschieht in kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit; aber auch in der Stille und im Gebet, die Ereignisse zu bedenken und „zusammenzuwerfen“. Jene Frau, die Jesus der Welt geboren hat, Maria, könnte auch auf unserem Lebens- und Glaubensweg eine Verbündete sein.