Was Kelch und Schale uns erzählen

Wöchentlich habe ich das Stickeralbum unserer Erstkommunionkinder gesehen. Ich habe dann echt gestaunt, als ich das Bild meiner Hostienschale und meines Kelches entdeckt habe. Die Schale benötigen wir im Gottesdienst für das Brot, den Kelch für den Wein. Es freut mich, denn Schale und Kelch können uns heute Abend sozusagen erzählen, was für ein Mahl Jesus am Tag vor seinem Tod feierte. Und: Warum uns Christen noch heute dieses Mahl wichtig ist!
Das Feuer „Ich bin der – ICH BIN DA“
Schale und Kelch greifen das Motiv des Feuers auf. Warum? Das Feuer erinnert an den brennenden Dornbusch. Wenn Jesus zu seinem Vater betet, dann ist das der gleiche Gott, der sich Mose im brennenden Dornbusch als der „Ich bin der - ICH BIN DA.“ geoffenbart hat. Der Evangelist Johannes lässt Jesus an diese Zusage Gottes anknüpfen mit den sogenannten „Ich bin – Worten“.
„Ich bin der Weg.“
„Ich bin das Leben“.
„Ich bin das Brot.“
„Ich bin der Weinstock.“
Der Evangelist Johannes liefert selbst die Erklärung, wenn Jesus sagt: „Wer mich sieht, der sieht den Vater.“ (Joh 14,9) Wer mit mir verbunden ist, ist es auch mit meinem Vater und seiner Liebe: „Ich und der Vater sind eins.“ (Joh 10,30). Wenn also der Priester Schale und Kelche erhebt, dann weist er auf diesen Gott: „Ich bin der –ICH BIN DA.“
Leuchtende Säule (Auszug aus Ägypten)
Schale und Kelch sind geschaffen wie eine Fackel. - Dem letzten Abendmahl gehen viele Mahle voraus, die Jesus mit seinen Freunden, Zöllnern und Sündern gefeiert hat; letztlich kennt Jesus als Jude das Paschamahl, das die Juden zum Gedächtnis an den Auszug aus Ägypten begangen haben – zur Erinnerung an die Befreiung der Israeliten aus der Knechtschaft.
Warum habe ich Schale und Kelch wie eine Fackel konzipiert? Sie greifen das Bild von der leuchtenden Feuersäule auf, die dann später den Israeliten den Weg durch die Wüste in der Nacht gewiesen hat. So erinnert das Mahl Jesu – wie das jüdische Mahl – an einen Gott, der beschützt und rettet, der stärkt und Orientierung schenkt.
Der Heilige Geist (rote Steine)
Schale und Kelch zeigen kleine rote Steine – sie stehen für die Liebe und den Heiligen Geist: Jesus nimmt Schale und Kelch, reicht seinen Jüngern Brot und Wein. Er deutet Brot und Wein auf sich selbst als Liebeshingabe für die Menschen und wird auf diese Weise selbst zum Paschalamm: „Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.“ (1Kor 11,24f)
Wir feiern in jedem Mahl den Exodus Jesu – das Leben, das Sterben, den Tod und die Auferstehung Jesu und erhalten so Anteil an diesem Paschamysterium – des Übergangs vom Dunkel zum Licht, vom Tod zur Auferstehung, von der Todesverfallenheit zum ewigen Leben. Im Gebet für den Verstorbenen beim Requiem wird dieser Gedanke in einzigartiger Weise aktuell und präsent.
Dabei ist das Abendmahl untrennbar mit dem Heiligen Geist verbunden. Der Priester spricht: „Sende deinen Geist auf diese Gaben herab und heilige sie, damit sie uns werden Leib und Blut deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus.“ Wir glauben, dass auch Jesu Geist mitten unter uns und sogar in uns ist, wenn wir uns an Jesu Worte erinnern und das Mahl der Liebe zu seinem Gedächtnis feiern. Sein Geist, der Mut macht, stärkt und Hoffnung schenkt; sein Geist, der uns lehrt wie und was wir beten sollen; sein Geist, der uns Weisheit schenkt, ihn zu erkennen und alles von ihm zu empfangen.
Fläche mit 5 Ecken
Schale und Kelche greifen die Zahl fünf immer wieder auf: Der Kelchfuß und auch der Fuß der Schale mit den 5 Ecken und Flächen deuten die 5 Wunden Christi an: „Aus seiner Seite fließen Blut und Wasser“ – Zeichen für die Eucharistie und die Taufe, wie es in der Tradition heißt.
Der 5eckige Fuß soll aber auch an die Kontinente erinnern, so gibt es ja auch die 5 olympischen Ringe: Überall auf der Welt gibt es Christen, die an Jesus Christus glauben. Überall auf Erde versammeln sich Christen heute Abend zum Gottesdienst, um auf das Wort Gottes zu hören und das Mahl der Liebe zu feiern. Überall auf der Erde versuchen Menschen Jesus nachzufolgen, in seiner Liebe zu bleiben und einander zu dienen, wie Jesus es in der Fußwaschung beispielhaft gezeigt hat. Überall auf der Erde solidarisieren sich Menschen gerade mit denen, die leiden und traurig sind.
Gold - die Farbe der Herrlichkeit und Gottheit
Ich habe Schale und Kelch vergolden lassen. Wenn wir Gottesdienst feiern und unser Leben im Alltag gestalten, sehen wir manches noch mit getrübten Augen. Wir können nicht alles verstehen, manches bleibt uns verborgen, schleierhaft und verhüllt. Aber irgendwann werden wir ihn – Gott selbst - schauen wie er ist – in seiner ganzen Gottheit und Herrlichkeit.
Amen.