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Was bedeutet uns das Kreuz?

Karfreitag St. Konrad
Datum:
Veröffentlicht: 7.4.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann
Das Kreuz hat Sprengkraft - auch heute noch.

„Herr Pfarrer, ich möchte gerne, dass Sie das Haus segnen.“ 

„Sehr gerne“, sage ich.

Nach der Segensfeier übergebe ich den Gastgebern ein Kreuz. Was dann kommt, darüber habe ich wirklich gestaunt. Der Mann holt einen Hammer, schlägt einen Nagel in die Wand und hängt das Kreuz auf. Umstehende Leute, einige essen gerade, schütteln mit dem Kopf, was sie da sehen. 

Liebe Schwestern und Brüder, 

dass ein Pfarrer über Gott spricht, das ist normal, das wird auch größtenteils erwartet; das ist auch seine Aufgabe. Aber es braucht heute schon eine Portion Mut, wenn ein „ganz normaler Christ“ zu seinem Glauben steht und so eine Zeichenhandlung vollzieht, ein Kreuz aufzuhängen. Das Kreuz hat Sprengkraft – auch heute noch. Drei Punkte möchte ich ansprechen. 

1. Das Kreuz – die geöffneten Arme

Ich schaue gerne auf das Kreuz. Oder ich stelle mich vielmehr unter das Kreuz und halte einen Augenblick still. Ich erinnere mich oft an die Worte des Bischofs bei der Weihe: "Stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes". Ich sehe das Kreuz als eine Umarmung, dass Jesus mich als sein geliebtes Kind mit seinen ausgestreckten Armen umarmt- jeden Tag neu. ER hält mich fest, wo und wie ich bin und geworden bin, und umarmt mich in meinen Gegensätzen von Glauben und Unglauben, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinem Glück und meinen Sorgen, in meinem Gelingen und Scheitern. Jesus sagt: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.“ (Joh 12,32) Der Gang zum Kreuz in der Karfreitagsliturgie ist auch ein besonderer Moment, der Trost und Vertrauen schenkt. Es ist ein Ausdruck unserer Hoffnung und Dankbarkeit. 

2. Das Kreuz – der geschundene Leib

Das Kreuz erinnert an den schmerzhaften Tod Jesu, den er sich weder ausgesucht noch gewünscht hat. Nach 2000 Jahren möchte man das Kreuz am Liebsten aus unserem öffentlichen Leben verdrängen. Nicht zumutbar oder gar überflüssig? Das Kreuz legt den Finger in die Wunde, was Menschen einander antun; es erinnert daran, wie ein Mensch seiner Würde beraubt wird und Gottes Geschöpf mit Füßen getreten wird. Ein Theologe sagte einmal: Das Kreuz ist auch ein stiller Protest gegen alle irdische Macht, die den Menschen unterdrückt – noch heute. Im Kreuzweg beten wir: „Bewegt uns das Leid des anderen? Sehen wir Christi zerschundenes Angesicht in unseren leidenden Schwestern und Brüdern?“ 

3. Das Kreuz – das verwandelte Leiden 

Wie soll eine Verwandlung im Leiden geschehen, das einem Menschen angetan wird? Was Jesus auferlegt wurde, kann er nicht verhindern, aber es bleibt ihm ...die Freiheit, dieses Leiden zu deuten und zu verwandeln in Hingabe und Liebe; ...und die Würde und der göttliche Glanz, der innerste Kern des Menschen, der ihm nicht genommen werden kann. „Das ist der Mensch, dass du seiner gedenkst!“ (nach Psalm 8). Mit seinen sichtbaren Wunden und in diesem Bewusstsein erscheint der Auferstandene dann seinen Jüngern am Ostertag: Gott ist treu. Er hält sein Versprechen. So wird uns das Kreuz zum Siegeszeichen über Not, Leid und Tod in der Hoffnung auf Wandlung und Verwandlung, Heilung und Aussöhnung unserer eigenen Wunden und Verwundungen.  

Liebe Schwestern und Brüder,

Das Kreuz – die geöffneten Arme

Das Kreuz – der geschundene Leib

Das Kreuz – das verwandelte Leiden 

Ein österlicher Weg, auf dem wir eingeladen sind!

Amen.