Wer ist schuld?

1) „Wer ist schuld?“ „Wer trägt hierfür die Verantwortung!“ Ziemlich zeitnah wird danach gefragt, wenn etwas nicht klappt oder vielleicht sogar in einer Katastrophe endet: „Wer ist schuld?“ „Wer trägt hierfür eigentlich die Verantwortung?“
2) Diese Frage wird im heutigen Evangelium gar nicht gestellt. Die Katastrophe ist offensichtlich: Auf einer Hochzeit geht der Wein aus. Der Evangelist Johannes erzählt hier sachlich und eher nüchtern, wie – Schritt für Schritt - an einer Lösung des Problems gearbeitet wird. Das geschieht nicht alleine; es ist keine „One-Man-Show“. Viele werden mit einbezogen, dass Hoffnung wächst, und vor allem, dass das Fest der Freude und des Vertrauens zueinander von Neuem weitergehen kann.
3) „Man kann alle Dinge negativ sehen, man kann Probleme sehen – und wir haben welche im Land. Aber man kann auch über Lösungen sprechen. Immer heisst es: Wir haben ein Problem. Wir hören selten: Wir haben eine Lösung! Man muss den Mut haben etwas Neues zu probieren, neue Entscheidungen zu treffen; nicht immer meckern, aber ich bin nicht verantwortlich, nur der andere, der Politiker.... Ich glaube, wir können alle anpacken, dass es nicht so schwarzgemalt wird, wie es gerade wirkt. Man muss den Mut haben, was Neues zu probieren, neue Entscheidungen... Wir müssen zurück zur Gemeinsamkeit, weg von der unfassbaren Individualität! .... Jeder kann bei sich anfangen, in seinem kleinen Kreis, in der Straße, dem Nachbarn helfen, nicht das Negative sehen, sondern versuchen sich zu unterstützen. Wir sollten alle Menschen integrieren, dass sie sich wohlfühlen und gemeinsam an einer besseren Zukunft arbeiten!“ Ein Zitat von Julian Nagelsmann, unserem Fußballnationaltrainer.
4) Die Mitte des Evangeliums, unserer Geschichte, ist Jesus, der die Lage entspannt, und vor allem nicht eskalieren lässt. Auf diese Weise fährt das Fest nicht an die Wand, und keiner wird durch diese Situation beschämt und an den Pranger gestellt.
5) Die Hochzeit zu Kana markiert den Beginn von Jesu öffentlichem Wirken: „Er offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.“ Offenbar kann Jesus nur seine Jünger ansprechen und zum Glauben führen, dass eine neue Zeit anbricht: Gott ist Mensch geworden, wir sind untrennbar mit Gott verbunden. Die Hochzeit zu Kana ist das erste von sieben Wundern, die Johannes in seinem Evangelium beschreibt und als Zeichen aufführt. Die Zeichen, die Jesus tut, weisen auf etwas Größeres hin und stehen für etwas, was wir nicht messen und berechnen und befehlen können.
6) Wasser wir zu Wein: Wasser ist Symbol für das Lebensnotwendige, Erfrischende und Reinigende. Wein steht für Freude und Genuss. Wasser wird zu Wein: Gottes Liebe will uns ergreifen und verwandeln – immer wieder neu.
7) Das Vertrauen auf Gott und die damit verbundene Wahrnehmung von kleinen und großen Zeichen verändern uns und unseren Alltag. Im Heiligen Jahr „Pilger der Hoffnung“ sprechen wir von Hoffnungszeichen und -orten, die kleine und große Zeichen sind, die wir in den Blick nehmen sollten, weil sie unseren Alltag und unseren Welt besser, schöner, menschlicher machen. Kennen wir sie?