Wer möchte nicht glücklich sein?


1. Wir hören heute die Seligpreisungen:
„Selig sind...!“
Vom Griechischen übersetzt könnte man auch sagen: „Glücklich sind...!“
Wer möchte nicht glücklich sein?
Wer möchte nicht, dass seine persönlichen Wünsche in Erfüllung gehen?
Wer möchte nicht zufrieden durchs Leben gehen?
Wer möchte nicht, dass sein Leben gelingt?
Vor 900 Jahren wurde mit dem mittelhochdeutschen Wort „Gelücke“ das „gute Ende eines Ereignisses“ benannt. Sozusagen „Glück gehabt!“
Vor 900 Jahren wurde mit dem mittelhochdeutschen Wort „Gelücke“ das „gute Ende eines Ereignisses“ benannt. Sozusagen „Glück gehabt!“
2. Doch wissen wir: Das Leben schlägt uns äußere Wunden und innere Verwundungen. Der Weg nach Santiago de Compostela war für mich ein Spiegelbild des irdischen Lebens: ohne Blessuren (Blasen, Knieprobleme, u. v. m. ) ist das Ziel wohl nicht zu erreichen. Es scheint zum Menschsein einfach zu gehören, verletzlich und verletzbar zu sein.
3. Genau diesen wunden Punkt trifft Jesus in seinen Seligpreisungen und spricht dadurch die Menschen an. In den acht Seligpreisungen, die den Aufschlag in der sog. Berpredigt machen, preist Jesus gerade die Menschen selig, die wohl auf dem ersten Blick nicht die Glücklichsten sind, sondern eher auf der Schattenseite des Lebens stehen: die Armen, die Trauernden, die Hungrigen und Dürstenden. So schaut der Weg zum Glücklichsein aus?
4. Wir spüren: Jesus stellt unsere Alltagsansichten völlig auf den Kopf. In unserer Welt werden erfahrungsgemäß immer wieder jene glücklich gepriesen und beglückwünscht, die Erfolg haben, die auf der Karriereleiter vorankommen, die Macht und Stärke zeigen, und die dann auch entsprechend Anerkennung finden und Wertschätzung erfahren.
5. „Selig sind...Glücklich sind...“ In meiner Heimatgemeinde, St. Urban in Bamberg, sind die Seligpreisungen wie aufgeschlagene Bücher in Stein geschrieben. Sie werden sozusagen der Kirchengemeinde vor Augen gehalten und in Erinnerung gebracht. Warum? Papst Franziskus bezeichnet die Seligpreisungen als „Personalausweis der Christen“, weil sie das Antlitz Jesu selbst, seinen Lebensstil, aufweisen und beschreiben. Und weil Gott in den je eigenen Lebenssituationen wunderbare und undenkbare Wege wählt, seine Gnade walten zu lassen. Diese Gnade, diesen Zuspruch, diese Solidarität Gottes haben die heiligen Männer und Frauen, die wir heute feiern, erfahren dürfen: nicht vergessen und alleine zu sein. „Meine Gnade genügt dir. Denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“ Lassen wir uns diesen Satz nochmals sagen: „Meine Gnade genügt dir. Denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“
6. Heilige sind nicht nur Menschen auf dem Podest, sondern vor allem auch Menschen von nebenan, Frauen und Männer, Junge und Alte, die in ihren Misserfolgen und Niederlagen, nicht aufgeben, sondern dieser Kraft Gottes trauen und vertrauen; die sich nicht mit dem Zustand abfinden oder die Schuld bei anderen suchen, sondern in den Wunden und Verwundungen wachsen und reifen und sich weiter entwickeln.
7. Mich haben die Worte des Alterspräsidenten Paul Knoblach zur Konstituierung des bayrischen Landtages am vergangenen Montag sehr angesprochen: „Was wir säen, das ernten wir.“
„Selig, die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden;
selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen;
selig, die Frieden stiften, denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.
selig, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihnen gehört das Himmelreich.“
„Was wir säen, das ernten wir.“
„Freut euch und jubelt, denn euer Lohn im Himmel ist groß.“
Schon jetzt und hier können wir in unseren Lebenskontexten ein Stück Himmel erfahren und auch anderen schenken, oder uns das Leben zur Hölle machen. Dieses Heft hat uns Gott in die Hand gelegt, damit wir es mit Lebens- und Liebesgeschichten füllen oder mit Bilder von Hass, Gewalt und Terror.
8. Wer möchte nicht glücklich sein?
Wer möchte nicht, dass sein Leben gelingt?
Wer möchte nicht zufrieden durchs Leben gehen?
Im „World Book of Happiness“ zählen Forscher Faktoren für Glück auf: eine stabile Liebesbeziehung, ein Job, der zu den eigenen Fähigkeiten passt, Freunde, Kinder, Gesundheit und genug Geld für Grundbedürfnisse. Das hat vielfach den heiligen Männern und Frauen nicht genügt. Sie haben den Weg zum Glücklichsein in den Seligpreisungen Jesu gefunden, beschritten und in ihren „Wundmalen“ die Kraft, Stärke und Gnade Gottes – ja das ganzheitliche Glück - erfahren dürfen. Amen.