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Wort zur Besinnung - Frankenpost Ausgabe 28.07.2023

Mariensäule
Datum:
Veröffentlicht: 29.7.23
Von:
Pfarrer Stefan Fleischmann

1860 komponierte Professor Konrad Max Kunz am Münchner Konservatorium die Bayernhymne. „Gott mit dir, du Land der Bayern“, so heißt es im Text, den der Münchener Lehrer Michael Öchsner dazu schrieb. Seit 1964 ist das Bayernlied die „offizielle Hymne“ unseres Landes. Eingefleischte Franken mögen jetzt etwas verwundert sein über die Farben des fränkischen Himmels – weiß und blau.

Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte bau
und erhalte dir die Farben
seines Himmels, Weiß und Blau“

1. Jede Bundes- und Landeshymne verkörpert in gewisser Weise Zusammengehörigkeit und Heimatverbundenheit, wobei besonders das Letztere für uns Deutsche – auch aufgrund unserer Geschichte – ein schwieriges Thema zu sein scheint. In der Urlaubszeit treibt uns die Sehnsucht oft in die Ferne, um vielleicht im Heimweh noch mehr zu spüren, was Heimat ist. „Etwas, das man erst in der Ferne fühlt.“ Sind es vertraute Gebäude oder Landschaften, Menschen oder Essgewohnheiten? Oder ist es einfach ein Gefühl des Wiedererkennens oder ein Teil des Ganzen zu sein? Heimat ist sicherlich für jeden anders zu verstehen und doch ist die Wirkung gleich: Geborgenheit und Vertrautheit, Erinnerung und Kindheit, Identität und Verwurzelung, Sprache und Klänge.

2. Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Das erste Wort der Hymne ist „Gott“. In unserem schönen Heimatland begegnen uns viele Kirchen, Wegkreuze und Flurdenkmäler. Sie legen ein beredtes Zeugnis ab vom christlichen Glauben der Menschen in früheren Zeiten und laden heute noch zum Verweilen ein. Nun, welcher Gott ist im 21. Jahrhundert wohl gemeint? Der Gott der Christen, der Gott der Juden oder auch der Gott der Muslime? Eine provozierende Frage. Aber wir spüren: Heimat bedeutet auch immer Veränderung, denn sie macht uns auf die Realität unseres Landes aufmerksam. Viel stärker werden wir uns daher in Zukunft um ein vertrauensvolles Miteinander und Füreinander der Religionen bemühen müssen; viel stärker, ja viel selbstbewusster werden wir als Christen an einem Strang ziehen müssen, um auf unsere Wurzeln christlicher Werte und Tugenden hinzuweisen, damit wir nicht in der Bedeutungslosigkeit einer multikulturellen Gesellschaft verschwinden.

3. Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! Die Globalisierung, die geforderte Mobilität und die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt muten gar manchem ein Nomadentum zu – verbunden mit vielen Aufbrüchen und ein Leben in der Fremde. Aber auch in der Fremde gibt es Heimat und Beheimatung: Doch, finden die Menschen in unseren Städten und Dörfern noch geistige Heimat - eine Verankerung im Glauben an den dreieinigen Gott, Glaubensfreude, Gemeinschaft, Stärkung und Segen für ihren Lebens- und Glaubensweg? Denn der Wunsch nach Geborgenheit, Nähe und Vertrautheit bleibt auf dem Hintergrund vielfacher Gefährdungen menschlicher Existenz sehr groß.

4. Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte bau.“  Es fällt auf: Die Landeshymne ist auch ein Gebet. So sind wir in diesen Tagen der Urlaubs- und Ferienzeit eingeladen, die Welt, die Schöpfung und alle Geschöpfe mit neuen Augen, mit den Gottes Augen, zu sehen und so mit ihm im Gebet verbunden zu sein. Wir sind eingeladen, Gott um seinen Segen auf unseren Wegen zu bitten. ER möge uns auf den Wegen des Friedens, der Versöhnung und des Glücks führen. Und ER möge uns nahe sein in den Höhen und Tiefen unseres Lebens und in den Herausforderungen und Krisen unserer Zeit.

5. Und erhalte dir die Farben seines Himmels, Weiß und Blau“  Die Farbe Blau wird in vielen Religionen mit den Göttern oder auch mit Gott und dem Himmel in Verbindung gebracht. Im Philipperhymnus steht: „Wir wissen: Unsere Heimat ist im Himmel.“ (Phil. 3,20). Freilich: Unser Ziel ist der Himmel, dort, wo unsere lieben Verstorbenen bereits wohnen und auch wir einmal Vollendung finden; aber auch auf Erden schenkt uns Gott immer wieder ein Stück Heimat und Himmel, dort, wo wir seine Nähe und Liebe, seine Gnade und Treue spüren; dort, wo ich auch bei und in mir selbst daheim bin. Dass wir immer wieder diesen geöffneten Himmel spüren, ein Stück Heimat finden und neu entdecken, das wünsche ich Ihnen in der kommenden Ferien- und Urlaubszeit – ganz besonders in unserem schönen Bayernland.