Zum Welttag der Kranken am 11. Februar 2026

Was Krankheit wirklich bedeutet, bleibt oft im Verborgenen. Der alljährliche Welttag der Kranken gibt uns einen Impuls, die verborgene Welt eines Kranken zu erspüren. Was heißt es, krank zu sein? Viele Menschen leben mit Krankheit, Schwäche, Schmerz und Einsamkeit.
„Ich habe gehört, Du bist schon länger krank.“ Was hindert uns, einmal anzurufen, nachzufragen, jemanden zu besuchen? Ist es eine Überforderung, oder auch die Scheu, sich mit der eigenen Begrenztheit und Endlichkeit des Lebens auseinander zu setzen! Oder packt uns die Oberflächlichkeit des Lebens, einfach in unserem Hamsterrad weiter zu laufen.
„Ich war krank und ihr habt mich besucht“, so heißt es im Matthäusevangelium. Papst Leo setzt in diesem Jahr einen besonderen Akzent: „Das Mitgefühl des Samariters: Lieben und den Schmerz des Nächsten tragen.“ Ich würde gerne hinzufügen: den Schmerz des Nächsten mit aushalten. Denn wir wissen: Wir können dem Kranken den Schmerz nicht (ab)nehmen, aber: Wir können ihn mit aushalten, in dem wir da sind; indem wir ein offenes Ohr haben; indem wir Mut zusprechen und Ermutigung geben.“ - „Hab Mut, steh auf, er ruft dich!“
Der Besuch eines Kranken wird zur Christusbegegnung. Das möchte uns das 25. Kapitel aus dem Matthäusevangelium vermitteln. Können wir daran glauben und darauf hoffen, dass uns Christus im Kranken begegnet? Haben wir schon einmal eine solche Glaubenserfahrung machen dürfen?
Unsere Leistungsgesellschaft braucht Mitgefühl und Mitleid gerade den Kranken gegenüber, die nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Unsere schnelllebige Zeit braucht ein Beziehungsgeflecht, in das sich der kranke und gebrechliche Mensch gut aufgehoben und getragen fühlt. Unsere profitorientierte und individualistische Zeit braucht Menschen, die den Schwächsten der Gesellschaft Wertschätzung und Anerkennung entgegenbringen.
„Erheben wir unser Gebet zur seligen Jungfrau Maria, Heil der Kranken. Bitten wir um ihre Hilfe für alle Leidenden, für alle, die Mitgefühl, ein offenes Ohr und Trost brauchen, und flehen wir sie mit diesem alten Gebet, das in der Familie gebetet wurde, um ihre Fürsprache für alle an, die krank sind und leiden:
Liebe Mutter, geh nicht weg,
wende deinen Blick nicht von mir ab.
Begleite mich auf allen Wegen
und lass mich nie allein.
Da du mich beschützt
wie eine wahre Mutter,
erwirke mir den Segen des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
(Papst Leo zum Welttag der Kranken 2026)
Stefan Fleischmann
Pfarrer